Was macht Le Mesnil-sur-Oger so besonders?

Kreide, Tiefe, Salinität: Warum der Untergrund von Le Mesnil dem Chardonnay eine Spannung gibt, die kaum ein anderes Terroir in der Champagne reproduziert – und weshalb Jahrgangschampagner von dort selbst in schwierigen Jahren wie 2017 überzeugen.

Es gibt Dörfer in der Champagne, die man kennt, ohne je dort gewesen zu sein. Le Mesnil-sur-Oger ist eines davon. Etwa 1000 Einwohner, 433 Hektar Reben, fast ausschliesslich Chardonnay. Und eine Adresse, die in den Kellern von Salon und Krug so selbstverständlich steht wie ein Eigenname.

Was aber steckt hinter dem Ruf? Warum schmeckt Champagner aus Le Mesnil anders als aus Avize, aus Cramant, aus Vertus – Dörfern, die nur wenige Kilometer entfernt liegen und denselben Chardonnay anbauen? Die Antwort liegt nicht an der Oberfläche. Sie liegt darunter.

Der Untergrund: Belemniten-Kreide ohne Umweg

Le Mesnil-sur-Oger liegt im südlichsten Teil der Côte des Blancs, auf Höhenlagen zwischen 130 und 200 Metern. Was den Ort geologisch auszeichnet: Der Oberboden ist aussergewöhnlich dünn – oft weniger als 20 Zentimeter. Dann beginnt die Kreide. Nicht irgendeine, sondern Belemniten-Kreide aus der Oberkreidezeit, feinporig, wasserhaltig, mit einer Kapillarwirkung, die Trockenheit puffert und dem Chardonnay auch in heissen Sommern Frische liefert.

In den besten Parzellen fehlt der Ton fast vollständig. Die Wurzeln arbeiten direkt im Kreidegestein. Das hat Konsequenzen für das Geschmacksbild: wenig Fruchtfülle, viel Spannung. Zitrusschale statt Birne. Salzigkeit statt Schmelz. Und eine Mineralität, die man eher fühlt als beschreibt – ein Zug im Gaumen, der nicht nachlässt.

Salinität: mehr als ein Modeword

In der Weinsprache wird Salinität oft inflationär verwendet. Im Fall von Le Mesnil ist sie aber spezifisch und reproduzierbar. Die Kombination aus durchlässigem Kreidesubstrat, relativ hoher Lage und der damit einhergehenden Bodentemperatur erzeugt im Chardonnay eine saline Spannung, die in tieferen, tonreicheren Böden nicht entsteht.

Winzer, die in Le Mesnil und in Nachbarorten wie Oger Parzellen bewirtschaften, beschreiben den Unterschied konsistent: Le Mesnil sei straffer, säurebetonter, kantiger. Oger weicher. Beide Grand Cru, beide Chardonnay – aber eben erkennbar verschieden.

Das ist kein Zufall, das nennt sich Geologie.

Krug clos du mesnil 1024x576 1

Clos du Mesnil vineyards / Image from SOMM TV

Grand Cru seit 1985 – und schon länger eine sehr gute Adresse

Le Mesnil-sur-Oger wurde 1985 zur Grand-Cru-Gemeinde erhoben, zusammen mit Chouilly, Oger, Oiry und Verzy. Der Klassifizierungsschritt war überfällig. Salon bezieht seit 1905 Trauben aus dem Dorf, Krug hat dort seit Jahrzehnten seinen Clos du Mesnil. Der Ruf war längst vorhanden; die offizielle Einstufung kam aber erst danach.

Heute produzieren auf 433 Hektar insgesamt 482 Bewirtschafter – darunter grosse Häuser, eine Genossenschaft und eine wachsende Zahl von Récoltants-Manipulants, also Winzern, die eigene Champagner keltern und vermarkten. Gerade diese Winzerchampagner sind es, die das terroir am direktesten zeigen: ohne stilistische Glättung, ohne Assemblage über verschiedene Lagen.

Der Jahrgang 2017: schwierig für viele, überzeugend für Le Mesnil

2017 war kein einfaches Jahr. Im April verwüsteten Nachtfröste weite Teile der Champagne, besonders die nach Osten ausgerichteten Lagen in Oger, Villeneuve und Umgebung. Die Ernte war gering, in manchen Dörfern wurden 80 Prozent der Trauben zerstört. Spätsommer-Regen brachte Botrytis, vor allem bei Pinot Noir und Meunier.

Le Mesnil war von den Frösten weniger stark betroffen. Und Chardonnay – früher reifend als die roten Sorten – wurde rechtzeitig eingebracht, bevor das Wetter kippte. Krug begann den Schnitt im Clos du Mesnil sogar vor dem offiziellen Erntebeginn, am 25. August. Das Ergebnis: ausgereifte Trauben in einwandfreiem Zustand.

André Robert, ein Winzer mit 14 Hektar in Le Mesnil, produzierte 2017 Vins Clairs, die zu den besten der Region zählten. Andere Erzeuger wie Robert Moncuit zeigten einen 2017er mit unmittelbarer Präzision, salziger Textur und einem Gaumenbild, das trotz des komplizierten Jahrgangs keine Kompromisse verlangte.

2017 ist kein Jahr, das man mit Ausrufezeichen bewirbt. Aber es belegt, was Terroir leisten kann: Wenn der Untergrund stimmt, überleben selbst schwierige Jahre mit Würde.

Alterungspotenzial: das stärkste Argument

Champagner aus Le Mesnil sind jung häufig verschlossen, fast spröde. Wer eine Flasche zu früh öffnet, erlebt Säure und Spannung, aber kaum Volumen. Das ändert sich mit Zeit. Zehn, fünfzehn, zwanzig Jahre Flaschenreife wandeln den harten Kalk in etwas Komplexeres um: Walnuss, weisser Pfirsich, geröstete Mandel, eine Tiefe, die kein junger Champagner von dort besitzt.

Das ist der Grund, warum Blanc de Blancs aus Le Mesnil als Lagerweine ernst genommen werden. Und warum der Kauf von Jahrgangschampagner aus Le Mesnil eine Entscheidung ist, die nicht auf den sofortigen Genuss zielt, sondern auf das, was aus einer Flasche werden kann.

Was das für Sie bedeutet

Wir führen Grower Champagner aus Le Mesnil-sur-Oger – Flaschen von Erzeugern, die ihre eigenen Parzellen keltern und den Charakter dieser Kreide ohne Zwischenschritt in die Flasche bringen. Kein Grosshaus, kein Cuvée-Blend über zwanzig Gemeinden.

Wenn Sie verstehen wollen, warum Le Mesnil einen eigenen Ruf hat und nicht bloss der bekannteste Name auf der Côte des Blancs ist – probieren Sie einen Jahrgangschampagner von dort. Gerne beraten wir Sie persönlich, welche Flasche für welchen Zeithorizont passt.

Zum Sortiment

Kommentare