Ein Plädoyer für mehr Champagner
Lesen Sie hier, warum es höchste Zeit ist, sich dem Guten zu widmen: Am besten mit einer Flasche Champagner.
Champagner – immer öfter stelle ich fest, dass sich die meisten Menschen aus falscher Demut keinen Deut um Champagner scheren. Ja, manchmal spüre ich eine regelrechte Angst, sich mit dem Thema zu beschäftigen, geschweige denn, ihn zu trinken. Zu fest haben sich Traditionen und falsche Vorstellungen in den Köpfen der Menschen manifestiert. Champagner wird, wenn überhaupt, nur an Geburtstagen und Silvester getrunken. Champagner ist sauer, Champagner ist teuer, Champagner ist elitär – die Liste ist nicht vollständig, aber beliebig erweiterbar. Und ich muss zugeben, dass ein gewisses Bild von Damen in Nerzen mit einem Cüpli in der Hand das Image des Champagners nicht unbedingt gefördert, sondern ihn in eine Ecke gedrängt hat, aus der er bis heute nur schwer wieder herauskommt. Es ist wirklich schwierig, hier gegenzusteuern, und als Liebhaber eines guten Winzerchampagners schneide ich mir dabei ins eigene Fleisch. Das Ergebnis ist klar: Das Gute wird knapper und damit auch teurer. Aber alleine trinken ist bekanntlich nur die halbe Miete. Seit rund sechs Jahren beschäftige ich mich intensiv mit Champagner. Mein Schwerpunkt liegt dabei auf Winzerchampagner. Also Champagner, der aus kleinen Häusern kommt und von denselben Menschen gekeltert wird, die auch die Trauben anbauen und pflegen. Diese Champagner unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht von den Weinen, die wir aus dem Supermarkt kennen und die wohl jeder schon einmal in seinem Leben getrunken hat. Im Gegensatz zum Winzerchampagner kaufen die Grandes Maisons die Trauben von Vertragswinzern. Ziel ist es, jedes Jahr geschmacklich in etwa das Gleiche auf den Markt zu bringen wie im Vorjahr. Insgesamt also ein mäßig spannender Prozess.
Der Unterschied zwischen dieser Massenware und dem Winzerchampagner ist frappierend! Und ich kann nur jedem empfehlen, auch mal unkonventionelle Wege zu gehen und etwas Neues auszuprobieren. Man muss nicht alles vorher probieren. Man steht ja auch nicht bei Coop oder Denner vor dem Regal und sagt sich: «Das habe ich noch nie probiert, deshalb kaufe ich es nicht». Denn dann würden Sie heute nur Wasser trinken.
Winzer Champagner
Sie sollten auch keine Angst haben, sich etwas Gutes zu tun. Stimmt, Champagner ist etwas Besonderes. Das fängt schon bei der Herstellung an, die um ein Vielfaches länger dauert als bei einem „normalen“ Wein, der schon nach 6 Monaten in Flaschen abgefüllt werden kann. Bis ein guter Champagner bei Ihnen im Glas steht, sind nicht selten zwei bis fünf, manchmal sogar acht oder zehn Jahre seit der Weinlese vergangen. Eine unglaublich lange Zeit! Man muss sich vorstellen, dass der Winzer je nach Fall bis zu zehn oder mehr Jahrgänge lagern muss, bevor er sie auf den Markt bringt. Selbst bei kleinen Produktionen von 2.000 bis 3.000 Flaschen sind das plötzlich 30.000 Flaschen, die als «totes Kapital» im Keller liegen. Das muss man sich erst einmal leisten können!
Champagner ist teuer! Eine Aussage, die auch relativ gesehen falsch ist. Denn für die meisten Weine zahlt man als Endkunde zwischen 50 und 100 Franken. Berücksichtigt man die Produktionszeit, sind das echte Schnäppchen. Dabei muss guter Champagner gar nicht teuer sein. Eigentlich ist «teuer» das Wort, das dem Champagner am wenigsten gerecht wird. Denn einen Spitzenchampagner bekommt man schon ab CHF 30. Ab 50. bekommt man schon was wirklich sehr Gutes und ab 80.- bis 100.- für Spitzengewächse. Alles darüber ist dann, nicht nur, aber oft, nur noch Marketing.
Ich möchte Sie also ermutigen, mehr Champagner zu trinken. Gehen Sie weg von dem «oh, heute ist Silvester» und gehen Sie hin zu «es ist nur Champagner», lassen Sie uns etwas Gutes tun. Denn auch wenn Sie «nur» guten Champagner trinken – und wenn Sie das jeden Tag tun – wird jeder Moment, den Sie geniessen, zu einem besonderen Moment. Nehmen Sie statt der Austern eine Bratwurst oder ein Stück Salami mit Brot oder einen Kartoffelsalat mit Wienerle – ganz egal. Denn der Schaumwein hebt Sie und das, was Sie tun, auf ein neues Podest. Er wertet es automatisch auf und macht noch mehr Spass – weil man es sich verdient hat. Nur einen Nebeneffekt wird es geben: Sie werden eine Träne verdrücken, wenn Ihnen klar wird, was Sie all die Jahre versäumt haben, nur weil Sie dachten, Prosecco sei standesgemäss. Wenn Sie sich nicht sicher sind, welcher Champagner zu Ihnen passt, empfehle ich Ihnen eine der Probierboxen. Oder schreiben Sie uns – wir helfen Ihnen gerne weiter.






